Eckart Scheef, ehemaliger Lehrer an der Grund- und Hauptschule Freudenstein-Hohenklingen, schuf 1977 mit seinem Film über das Backhaus in Hohenklingen ein bemerkenswertes Zeitdokument. Für das Lehramt zugezogen, bemerkte er rasch das vielfältige Tun im lebendingen Ortsteil Hohenklingen. Bei seiner Wirtin, bei der er unterkam, gab es leckeres Brot und schmackhafte Kuchen, die im Backhäusle im Ort gebacken wurden. Für ihn war das Anlass, sich mit der Ortsgeschichte und dem alten Backhaus aus dem Jahre 1841 näher zu beschäftigen. Das tat er mit der damals für private Zwecke selten verfügbaren und kostspieligen Möglichkeit des Filmemachens. Ein echter Glücksfall für Freudenstein. Und so filmte er an einem sonnigen Sommertag mit seiner Super-8-Kamera in Farbe die fleißigen Backfrauen bei der Arbeit. Daraus entstand ein sehenswerter 30minütiger Film, den wir als Liste Mensch und Umwelt Sternenfels in einer mittlerweile digitalisierten Fassung aufführen konnten. Wir wollten damit Vorfreude auf das Backhaus schaffen, das vom Verein Die Kelter e. V. in diesem Jahr an der Kelter in Diefenbach errichtet wird. Überwältigt waren wir von dem großen Interesse. Über 80 Gäste konnten wir im Dorfgemeinschaftshaus in Diefenbach am 16. Januar 2026 zu einem kurzweiligen und humorigen Filmabend begrüßen. Dieser war eingebettet in die Veranstaltungsreihe „Enzkreis erleben“, die vom Sachgebiet Klimaschutz und dem Landwirtschaftsamt des Enzkreises zusammengestellt wurde.
LMU-Vorstand Jakob Sehmsdorf begrüßte die Gäste, die zahlreich auch aus Freudenstein angereist waren, und Eckart Scheef, persönlich anwesend, führte thematisch in den Film ein. Zu sehen war, wie in den Küchen der Backfrauen der Teig für Brot, Kuchen und Brötchen mit viel Handarbeit hergestellt wurde. Riesige Teigmengen wurden mit perfektem Augenmaß in gleichmäßige Portionen geteilt. Allein die Stapeltechnik, mit der die vielen Bleche geschickt auf die Leiterwägelchen platziert wurden, war sehenswert. Anschließend ging es zu Fuß, nahezu ohne jeglichen Autoverkehr, auf der Hauptstraße durch den Ort zum Backhaus. Was für schöne Bilder. Mit Reisigbündeln angeheizt, und mit nassem Besen sauber ausgekehrt, konnte die Ofenkammer alsbald mit dem Backgut bestückt werden. Zuvor wurde der Teig von den Backfrauen mit Messerschnitten markiert, damit jede später ihr eigenes Brot ohne Verwechslung in Empfang nehmen konnte. Viel Erfahrung war nötig, um bei optimaler Temperatur zu backen.
Gesellig und lustig ging es zu. Und so mancher Spruch der Backfrauen sorgte für Lacher, auch bei den Zuschauern im Dorfgemeinschaftshaus. Mit Freude verzehrten die Backfrauen direkt im Backhaus Teile der ofenwarmen Ware. Geschickt. So musste auch nicht so viel nach Hause transportiert werden. „Man benötigt nicht mehr als frisches Brot, Most und Büchsenwurst“, hieß es von einer Backfrau, „dann ist die Welt in Ordnung“.
Das gemeinschaftliche Backen, das wurde deutlich, war nicht nur wichtig für die Versorgung, sondern auch für das Soziale, für die Gemeinschaft. Daran knüpfte Ernst Falk am Ende des Films an. Als Vorsitzender des Vereins Die Kelter e. V. beschrieb er den Weg zum neuen Backhaus in Diefenbach, von der Idee, über die Finanzierung, bis hin zur Umsetzung. Auf einen besonderen historischen Bezug machte er aufmerksam. Denn die gemeinschaftlichen Backhäuser waren im Neunzehnten Jahrhundert eine typisch württembergische Angelegenheit. Zu verdanken sind diese König Wilhelm I. von Württemberg, der damals die Weisung erteilte, in jedem Dorf solle eine zentrale Backstelle errichtet werden, um Holzenergie zu sparen und die Gefahr von Hausbränden zu reduzieren.
Ein herzlicher Dank geht an Eckart Scheef für das bemerkenswerte historische Dokument und die einführenden Worte, an Torsten Konrad und Jakob Sehmsdorf für die Organisation, und an Ernst Falk für die abschließenden Worte und das Engagement, gemeinsam mit dem Verein Die Kelter e. V., zur Errichtung eines Backhauses in Diefenbach.


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