Am 26. März 2026 hatten wir Friederike Würth und Uwe Stengele vom Landratsamt Enzkreis zu Gast im KOMM-IN. Friederike Würth ist die Klimaschutzmanagerin des Enzkreises und Uwe Stengele der Hitzeschutz-Beauftragte im Gesundheitsamt. Im interessanten Vortrag „Bleiben Sie cool“ ging es um die Auswirkungen der Hitze auf den Menschen und unsere Gebäude. Beide zeigten auf, was zu beachten ist und welche Maßnahmen helfen.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Sternenfels spürbar. Die Temperaturentwicklung in Baden-Württemberg zeigt, dass seit dem Jahr 2000 alle Sommer wärmer sind als in den Jahrzehnten zuvor. Während im Zeitraum von 1961 bis 1990 in Sternenfels lediglich vier Tage mit Temperaturen über 30 Grad gemessen wurden, treten solche Hitzetage heute wesentlich häufiger auf. Besonders problematisch ist dabei nicht nur die zunehmende Hitze am Tag, sondern auch die steigenden Nachttemperaturen, da die nächtliche Abkühlung für die Erholung des menschlichen Körpers von großer Bedeutung ist.
Für die Gesundheit stellen vor allem extreme Temperaturen eine erhebliche Belastung dar. Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, eine Kerntemperatur von etwa 37 Grad zu halten, damit alle lebenswichtigen Prozesse optimal ablaufen können. Zur Kühlung nutzt er zwei Mechanismen: Zum einen das Schwitzen, bei dem durch Verdunstung Wärme abgegeben wird, wobei jedoch auch Wasser, Mineralstoffe und Spurenelemente verloren gehen, und zum anderen die Erweiterung der Blutgefäße, wodurch Wärme über die Haut abgegeben wird. Bei starker Hitze stoßen diese Systeme an ihre Grenzen. Wird der Körper zu heiß, können sich Eiweiße irreversibel verändern, was schwerwiegende Folgen für Zellprozesse hat.
Menschen reagieren unterschiedlich auf Hitze, häufig treten Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel, Erschöpfung oder Kopfschmerzen auf. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, da bei ihnen weniger Blutgefäße zur Verfügung stehen, die Gefäße oft verengt sind und die Anzahl der Schweißdrüsen abnimmt. Zudem verlieren sie mehr Flüssigkeit über den Urin. Auch Kleinkinder sind stark betroffen, da ihr Körper sich schneller aufheizt und sie durch ihren Bewegungsdrang häufig vergessen zu trinken. Menschen mit Vorerkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, tragen ein erhöhtes Risiko, da Hitze die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems verstärkt und die Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinträchtigen kann. Insgesamt führt Hitze zu mehr Krankenhauseinweisungen, einer erhöhten Sterblichkeit und auch zu gesellschaftlichen Auswirkungen wie gesteigerter Aggressivität oder sinkender Produktivität. In Deutschland sterben jährlich etwa 2.500 Menschen im Straßenverkehr, eine ähnlich hohe Zahl wird auch bei Hitzetoten erreicht, wobei diese Gefahr in der öffentlichen Wahrnehmung bislang deutlich unterschätzt wird.
Auch im Alltag sind die Auswirkungen spürbar, da bestehende Erkrankungen sich verschlimmern können und insbesondere bei Kindern Hitzestich, Hitzeerschöpfung oder Hitzeschlag drohen. Die Aufbewahrung von Medikamenten muss bei Hitze ebenfalls beachtet werden, da viele nicht über 25 Grad gelagert werden sollten und bei höheren Temperaturen an Wirkung verlieren können. Eine ärztliche Rücksprache kann sinnvoll sein, um die persönliche Medikation in Hitzeperioden anzupassen.
Zum Schutz vor Hitze ist ein angepasstes Verhalten entscheidend. Wohnungen sollten möglichst kühl gehalten werden, indem früh am Morgen gelüftet wird, solange die Temperaturen noch niedrig sind, und tagsüber Fenster geschlossen und verschattet bleiben. Ist die Wärme erst einmal in den Wänden gespeichert, lässt sie sich nur schwer wieder aus dem Gebäude entfernen, weshalb frühzeitiges Handeln wichtig ist. Körperliche Aktivitäten sollten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden, und Hitzewarnungen sollten ernst genommen werden. Diese erfolgen oft mehrere Tage im Voraus und ermöglichen so eine gute Vorbereitung.
Auch die Ernährung kann zur Entlastung beitragen. Empfehlenswert sind leichte, wasserreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse sowie mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt, da große und schwere Mahlzeiten den Körper zusätzlich belasten. Alkohol sollte vermieden werden, während Kaffee unproblematisch ist. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist besonders bei Kindern wichtig. Diese sollten gezielt zum Trinken motiviert werden z. B. mit spielerischen Anreizen. Für Kinder gut sind verdünnte Saftschorlen. Bei Säuglingen reicht häufigeres Stillen aus, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken.
Neben dem individuellen Verhalten gewinnt die bauliche Anpassung zunehmend an Bedeutung. Ziel der Klimaanpassung ist es, sich an die Folgen des Klimawandels wie Hitze, Trockenheit, Starkregen oder Wasserknappheit anzupassen. Gebäude können durch außenliegenden Sonnenschutz wie Markisen, Rollläden oder Jalousien wirksam vor Überhitzung geschützt werden, wobei äußere Verschattung deutlich effektiver ist als innere. Große Schattenflächen durch Dachüberstände oder Balkone sowie helle Fassaden und Dächer tragen ebenfalls zur Reduzierung der Aufheizung bei. Fassadenbegrünungen können durch Verdunstungskühlung zusätzlich helfen. Eine gute Dämmung und Fenster mit niedrigem Wärmedurchgangswert sind weitere wichtige Bausteine. Baustoffe wie Beton, Mauerwerk oder Fliesen können Wärme speichern und so helfen, Temperaturspitzen abzufedern, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden.
Auch im öffentlichen Raum sind Maßnahmen erforderlich, etwa durch die Entsiegelung von Flächen, die Pflanzung von Bäumen zur Schaffung von Schatten und die Bereitstellung kühler Aufenthaltsorte. Trinkwasserangebote können eine sinnvolle Ergänzung sein, müssen jedoch hygienisch einwandfrei betrieben werden und verursachen laufende Kosten. Ergänzend können Unterstützungsangebote wie ein Hitzetelefon eingerichtet werden, um besonders gefährdete Personen zu erreichen.
Der Enzkreis stellt mit seinem Hitzeaktionsplan sowie Informationsangeboten wie dem „Hitzeknigge“ wichtige Hilfestellungen bereit. Der „Hitzeknigge“ liegt im KOMM-IN aus zur kostenlosen Mitnahme. Klimaanpassung ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises, und es ist geplant, gemeinsam mit mehreren Kommunen entsprechende Konzepte zu entwickeln. Förderprogramme stehen zur Verfügung, wobei Anträge frühzeitig gestellt werden sollten, da Maßnahmen nicht vorher begonnen werden dürfen. Insgesamt zeigt sich, dass der Umgang mit zunehmender Hitze eine gemeinsame Aufgabe von Bevölkerung, Verwaltung und Politik ist. Nur durch rechtzeitige Information, angepasstes Verhalten und gezielte Maßnahmen kann es gelingen, die gesundheitlichen Risiken zu reduzieren und die Lebensqualität in Sternenfels langfristig zu sichern.


Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.