In der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 19. März 2026 haben die vier Gruppierungen des Sternenfelser Gemeinderats ihre Haushaltsreden gehalten. Nachfolgend können Sie die Haushaltsrede der Liste Mensch und Umwelt Sternenfels – vorgetragen von Jakob Sehmsdorf – nachlesen:
„Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Presse,
sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
sehr geehrte Angehörige der Feuerwehr,
zum zweiten Mal in Folge verabschieden wir heute einen Haushaltsplan mit einem Gesamtergebnis deutlich unter der Null. Wieder einmal wird klar, dass unsere starke Abhängigkeit von den Gewerbesteuereinnahmen, verbunden mit dem Mechanismus des Finanzausgleichs und in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, die Planbarkeit einschränkt und uns dazu zwingt, Gelder mit Bedacht auszugeben. Wieder einmal bleibt zu hoffen, dass das Ergebnis dann unterm Strich – so wie in vergangenen Jahren – doch besser ausfällt, als der Plan.
Verglichen mit dem großen Jammern, das landesweit aus anderen Kommunen zu hören ist, steht Sternenfels allerdings noch gut da – das zeigt der Blick auf den Zahlungsmittelbestand und auf die freiwilligen Aufgaben, die sich Sternenfels im Gegensatz zu anderen Gemeinden noch leisten kann.
Zunächst ein kurzer Blick auf die Pflichtaufgaben der Gemeinde. Investitionen und größere Ausgaben sind für Kanalsanierung und Bauhof geplant. Außerdem investiert die Gemeinde in Grundschule und Kindergärten, was uns als Liste Mensch und Umwelt besonders freut. Beim Unterhalt der Grundstücke und baulichen Anlagen können in diesem Jahr bereits 200.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr eingespart werden. Diese Tendenz gilt es zu verfestigen, indem Eigentum der Gemeinde effizient genutzt wird und wenig genutzte Gebäude auf Dauer verkauft werden, um so Raum für neue Nutzungen zu schaffen. Mit dem geplanten Umzug der Verwaltung ins KOMM-IN und dem damit verbundenen wahrscheinlichen Verkauf des alten Rathauses schlägt Sternenfels diesen Weg entschieden ein.
Eine weitere zentrale Pflichtaufgabe der Gemeinde ist die Feuerwehr. Auch hier investiert Sternenfels: relativ aktuell in ein Hilfeleistungs-Löschfahrzeug, perspektivisch aber vor allem in ein neues Feuerwehrhaus, in dem die beiden Abteilungen zusammengeführt werden. Auch diese Zusammenführung wird langfristig Kosten einsparen und stellt uns vor die Frage, wie die beiden bisherigen Feuerwehrhäuser zukünftig genutzt werden sollen. Eine unschätzbare Kostenersparnis ist aber vor allem die Tatsache, dass wir mit einer leistungsfähigen – nun personell komplett verjüngten – freiwilligen Feuerwehr rechnen können, statt eine Berufsfeuerwehr finanzieren zu müssen. Was für die Gemeinde eine Pflichtaufgabe ist, dass ist für Sie, sehr geehrte Feuerwehrangehörige, eine freiwillige Aufgabe. Vielen Dank für diese große Leistung, die Sie für Sternenfels erbringen!
Nun zu den freiwilligen Aufgaben: Ohne gesetzliche Verpflichtung treibt die Gemeinde den Breitbandausbau voran, mittlerweile sogar für die sogenannten „grauen Flecken“. Auch für den Hochwasserschutz – auch dieser freiwillig! – sind Gelder eingeplant. Hoffentlich kann die Maßnahme dieses Jahr tatsächlich begonnen werden. Darüber hinaus beteiligt sich die Gemeinde am Backhaus in Diefenbach und ermöglicht durch hohe Zuschüsse in Zusammenarbeit mit dem Freibadverein das Sternenfelser Freibad. Ich denke, zu all diesen Ausgaben und Investitionen ist der Rückhalt in der Bevölkerung groß!
Umstrittener sind der für dieses Jahr geplante Abriss des Volksbankgebäudes und der für 2027 angesetzte Bau eines Parkplatzes auf dieser Fläche – Thema des vorangegangenen Tagesordnungspunktes. Wir als Liste Mensch und Umwelt sehen auch diese Investition als sinnvoll an. Zwar verlieren wir dadurch zwei Wohnungen, stärken aber voraussichtlich deutlich die Nahversorgung vor Ort. Das ist es wert!
Um das Thema Einkommenssteueranteil komme ich wohl leider nicht ganz herum. Ganz kurz: Neubaugebiete rechnen sich für die Gemeinde nur, wenn die entstehenden Bauplätze mehrheitlich zügig vermarktet werden können, ohne dass im Gegenzug der Ortskern verwaist. Wir als Liste Mensch und Umwelt Sternenfels bezweifeln, dass das bei immerhin knapp sechs Hektar geplanten Neubaugebieten klappt. Bis zur nächsten Kommunalwahl wird sich zumindest ansatzweise zeigen, wer hier Recht behält. Wir hätten übrigens gerne nochmals die Grundsteuer C zum Thema der Haushaltsberatungen gemacht. Leider gibt es beim Vorreiter Maulbronn diesbezüglich bisher aber noch keine großen Fortschritte.
Wir haben uns in Anbetracht des negativen Haushaltsergebnisses bei den Haushaltsanträgen zurückgehalten, hoffen aber, mit unserem Antrag zur Einstiegs- und Orientierungsberatung Klimaschutz einen Prozess anzustoßen, der dazu führt, dass sich die Gemeinde zukunftsfähig aufstellt, Prozesse ganzheitlich betrachtet und auf Ebene des Energieverbrauchs langfristig Kosten einspart und womöglich sogar im Bereich der Energiegewinnung neue Einnahmequellen erschließt. Auch die Chancen der Kommunalen Wärmeplanung und des Kommunalen Energiemanagements sollten wir in diesem Zusammenhang nutzen!
Vielen Dank!“
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