Seltene Fledermäuse in der Kirche Diefenbach

Die Heiligkreuzkirche in Diefenbach wurde bereits vor Jahren vom NABU mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet. Und das zu recht. Denn die Kirche beherbergt eine Wochenstube des Grauen Langohrs. Das ist eine vom Aussterben bedrohte Fledermausart, die nur in Mitteleuropa vorkommt. In Baden-Württemberg existieren nur noch 45 Kolonien. Zweidrittel davon leben in Kirchen – und davon eine in der Kirche in Diefenbach. Ein Glücksfall und Verantwortung für uns!

Auf der Pfarrgartenhocketse in 2018 wurde das Graue Langohr erstmals entdeckt – als Totfund. Evtl. hatte das etwas mit einem Gewitter in der Nacht zuvor zu tun. In 2018/2019 gab es dann Begehungen mit Dr. Christian Dietz, einem Diplom-Biologen und Fachgutachter mit Schwerpunkt Fledermäuse. In 2020 wurden dann quartierverbessernde Maßnahmen am und im Turm und an der Turmhaube durchgeführt.

In 2025 gab es umfangreiche Renovierungsarbeiten am Kirchturm, in dem sich die Tiere aufhalten. Begleitet von Biologen und dem Regierungspräsidium können wir heute sagen, dass die Sanierung dem Grauen Langohr nicht geschadet hat.

Die Weibchen der Grauen Langohren bringen nur ein Jungtier pro Jahr zur Welt. In den Wochenstuben leben ausschließlich Weibchen zur Aufzucht. Männerquartiere existieren separat, teils handelt es sich auch um Einzelgänger. Die Fledermäuse haben besonders große Ohren, da sie insbesondere in Bäumen ihre Beute im Flug fangen und so gut navigieren und die Beute orten können. Deshalb ist der Baumbestand an der Kirche auch von so großer Bedeutung. Von November bis März halten sie Winterschlaf. Sie wiegen gerade einmal 6 bis 10 Gramm bei einer Körpergröße von 4 bis 6 cm; Spannweite 25 bis 29 cm. Sie können 5 bis 10 Jahre alt werden. Im Flug schlägt ihr Herz 1000 mal pro Minute. Im Winterschlaf nur 1 bis 5 mal pro Minute. Faszinierend. Die heiklen Tiere benötigen gesunde Räumlichkeiten. Als vor Jahren in Lindau eine Kirche saniert und Chemie zum Einsatz kam, ging ein großer Bestand an Grauen Langohren zu Grunde.

Wichtig für die Existenz der Fledermäuse sind freie Flugbahnen, eine gute Vernetzung von Futterquellen und Dunkelkorridore. Das Jagdgebiet hat nur einen Radius von einem Kilometer. Deshalb ist die unmittelbare Umgebung so wichtig. Welchen negativen Einfluss das zukünftige Baugebiet „Am Falltor“ haben wird, ist unklar. Ein parkähnlicher Garten mit rund 40 wertvollen Bäumen wird verschwinden. Zwar wird ein Dunkelkorridor geplant, ob dieser funktioniert und auf Dauer seine Funktion behält, ist nicht gewiss. Im schlimmsten Fall kann das Neubaugebiet das Ende der Kolonie bedeuten.

Artenschutz? Nur lästig? Was gehen mich ein paar Viecher an? Was hat das mit mir zu tun? Das Graue Langohr ist Teil unserer Nahrungskette. Das Tier erbringt, wie viele andere auch, relevante Ökosystemdienstleistungen. Ohne Artenschutz können wir nicht existieren! Alles hängt zusammen. Das scheint leider vielen Menschen nicht bewusst zu sein.

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Bildquelle: Jason Bosch


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